Von der Baracke zur modernen Unterkunft – Von Marktheidenfeld nach Hafenlohr

Bereits 1963 wurde für den Bergungszug im Zivilen Bevölkerungsschutz (ZB) in Marktheidenfeld eine geräumige Garage an der Eichholzstraße hinter der Martinsbräu angemietet. Hier sollten sich die Angehörigen des Bergungsdienstes alle 4 Wochen zu einer Übung einfinden. Zugführer waren Wilfried Schlör aus Hafenlohr und Oskar Karpf aus Lengfurt.

Die räumliche Enge wurde für die Helfer eine nicht mehr zumutbare Belastung. Besprechungen und Zusammenkünfte fanden mangels genügender Sitzplätze in der Regel stehend statt. Es waren keinerlei sanitäre Einrichtungen vorhanden. Da viele der jungen Helfer auf die damals selbstverständliche Zigarette nach Feierabend nicht verzichten wollten, behinderten zusätzlich Qualm und Dunst das Atmen und den freien Durchblick. Die ordnungsgemäße Lagerung von Gerät und Bekleidung war in den feuchten Räumen nicht möglich. So wurde der Ruf nach einer zweckmäßigen Unterkunft immer lauter. Unter diesen Umständen musste man um den Fortbestand des Ortsverbandes fürchten.

In diesbezüglichen Gesprächen wurde von der Stadt Marktheidenfeld anfangs eine Unterkunft auf der FlNr. 3539 am Äußeren Ring/Karbacher Straße unmittelbar beim Feuerwehrgerätehaus in Aussicht gestellt, was dann aber nicht realisiert wurde. 

Zum Unterstellen der Fahrzeuge hatte die Regierung von Unterfranken Hallen und Garagen außer in Marktheidenfeld auch in Bischbrunn, Hafenlohr, Lengfurt, Oberndorf und Trennfeld angemietet. Dies waren die Wohnorte von jeweils größeren Helfergruppen, denen im Bedarfsfall ein schneller Zugriff auf die Fahrzeuge möglich sein sollte. Die räumliche Streuung konnte aber eine verlässliche Einsatzbereitschaft nicht gewährleisten, da sie zu zusätzlichen Problemen hinsichtlich der Kommunikation und Koordination der einzelnen Gruppen führte. Behördlicherseits wurde die Anmietung von Einsiedel im Hafenlohrtal als möglicher Standort für eine Unterkunft der gesamten Bergungsbereitschaft mit 153 Helfern ins Gespräch gebracht. Die Gruppenführung stellte hierzu fest, dass dies unrealistisch sei und von den Helfern unter keinen Umständen angenommen werde.

Der Gruppenführer und Leiter der Wasserbaugruppe Alfred Eitel aus Hafenlohr überzeugte in vielen Gesprächen Bürgermeister Engelhardt und den Gemeinderat Otmar Bilz von der Dringlichkeit einer Unterkunft für das THW. Beide nahmen sich des Anliegens an und hielten engen Kontakt zum Führungsteam des THW.

Die Gemeinde Hafenlohr wurde zügig aktiv und stellte bereits 1970 ein Grundstück südlich des Bahnhofs (heute Bauhof) und dazu noch das beim Einlegen der Dreschhalle (durch das THW) gewonnene Baumaterial zur Verfügung.Auch das PAIDI-Werk half mit Baumaterial. Die Gemeinde erteilte sofort die Genehmigung für die Errichtung einer Unterstellhalle und eines Feldhauses als Provisorium. Unter der Leitung von Alfred Eitel und Leo Fischer erstellten die Helfer in kurzer Zeit mit viel Geschick und großem Fleiß außerhalb der Dienstzeit und „nach Feierabend“ in rund 3000 Arbeitsstunden beide Gebäudeteile. Alfred Eitel wird zum Stützpunktleiter ernannt.

Nun galt es dafür zu sorgen, dass aus dem Provisorium keine Dauereinrichtung wird. Das Ziel der Errichtung einer Unterkunft intensivierte der Ortsbeauftragte Oskar Karpf aus Lengfurt. In vielen Schreiben und persönlichen Vorsprachen bei den übergeordneten Dienststellen drängte er darauf, dass eine dauerhafte Lösung des Unterkunftsproblems gefunden wird. Er ließ dabei nicht unerwähnt, dass beim Helferabend am 2.8.1972 „in heißer Diskussion“ die Frage behandelt worden war, geschlossen aus dem THW auszutreten.

Zugleich hatte Bürgermeister Engelhardt das Gelände im Bereich der heutigen Unterkunft ins Gespräch gebracht. Die Flurstücke waren alle in privater Hand, und es stellte sich bald heraus, dass durchaus nicht alle Besitzer bereit waren, ihr Grundstück herzugeben. Auch der gebotene Quadratmeterpreis von 3,-- DM war nicht gerade verlockend. In nicht immer leichten Verhandlungen brachte Gemeinderat Otmar Bilz durch Tausch eigener Grundstücke mit verkaufsunwilligen Besitzern und Überzeugungsarbeit bei weiteren Besitzern schließlich eine genügend große Fläche von 5576 m2 zusammen. Der Preis von DM 3,-- pro m2 konnte gehalten werden.

Auch das begonnene Flurbereinigungsverfahren ermöglichte einen gewissen Ausgleich.

Mit Schreiben vom 18.12.1974 an die Oberfinanzdirektion Nürnberg gab der Bundesminister für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau im Einvernehmen mit dem Bundesminister der Finanzen seine Zustimmung zum Neubau der Unterkunft in Hafenlohr. „Die Baumaßnahme ist als „Neubau der THW-Unterkunft Marktheidenfeld“ zu bezeichnen.“ Wegen der ursprünglichen Zuordnung der Helferorganisationen zu den damaligen Kreisstädten blieb die etwas irreführende Bezeichnung „Ortsverband Marktheidenfeld“ bis heute erhalten, obwohl der Standort in Hafenlohr angesiedelt ist und zwischen THW und der Gemeinde Hafenlohr ein hervorragendes Verhältnis besteht.

Die Haushaltsunterlage Bau § 24 BHO schließt mit einer Kostensumme von 1.170.000,-- DM ab (Finanzbauamt Würzburg vom 05.02.1975 Nr. B 1106 – 6/63).

Am 12. Mai 1975 wurde das Kabel für die Stromversorgung der Baustelle am Trafohaus in der Marienbrunner Straße angeschlossen und damit die Baumaßnahme begonnen. Beim Richtfest am 25.11.1975 bekundeten die Redner Freude und Genugtuung über das entstehende Werk.

Baudirektor Rudolf Dotterweich vom Finanzbauamt Würzburg freute sich, „für eine Organisation tätig zu sein, deren Wirkung sich allein auf den Idealismus und den Einsatzwillen ihrer Mitglieder stützt. Es ist nötig, dass neben den erforderlichen Gerätschaften entsprechende bauliche Anlagen geschaffen werden, die der Schulung des Personals dienen und, was besonders wichtig erscheint, die Kameradschaft erhalten und fördern.“ Und in der Tat hat sich die Unterkunft bis heute sowohl für die örtliche und überörtliche Ausbildung der Helfer als auch für die Pflege der Kameradschaft bewährt. Zahlreiche Einzelbesucher wie z.B. 1978 der bayerische Innenminister Dr. Alfred Seidl oder auch 2009 eine Jugendgruppe aus Israel zeigten sich von der Unterkunft sehr angetan.

Als ein großartiges Ereignis geht die offizielle Einweihungsfeier der Unterkunft am 24. Juli 1976 in die Chronik des Ortsverbandes Marktheidenfeld ein. Im vorderen Bereich des Hofes war ein großes Zelt aufgebaut, in dem der Stadtpfarrer von Marktheidenfeld, Karl Rost, assistiert von Helfern als Ministranten und Lektoren, einen festlichen Gottesdienst hielt. Beim anschließenden Festakt gratulierten viele prominente Persönlichkeiten, Vertreter der Vereine und sämtlicher Hilfsorganisationen. Der Vizepräsident des THW Hans Zielinsky aus Bad Godesberg überreichte den Schlüssel an den Ortsbeauftragten Oskar Karpf mit den Worten: „Dieser Schlüssel hält auch für euch bei den Behörden in Stadt und Land alle Türen und Tore offen."

Am 17.Oktober 1976 fanden sich 50 Führungskräfte aus den unterfränkischen Ortsverbänden in der neuen Unterkunft ein zu einem Lehrgang „Der Einsatz technischer Hilfeleistung auf Verkehrswegen“.Die schöne Atmosphäre der neuen Unterkunft genossen die Helfer und ihre Gäste auch im Juni 1977 bei der Feier des errungenen 3. Platzes beim Bundeswettkampf in Saarlouis.Fast auf den Tag genau wurde 3 Jahre nach dem Richtfest für die Mannschaftsunterkunft das Richtfest für die Erweiterung der Fahrzeughalle gefeiert.

Seit den Tagen der Einweihung setzten die sehr engagierten Helfer ihr ganzes Geschick und fachliches Können ein, um die Unterkunft so auszustatten und ständig zu aktualisieren, dass sie für alle Gemeinschaftsveranstaltungen eine angenehme Atmosphäre bietet. Auch auf dem Grundstück wurden die erforderlichen Einrichtungen zum Be- und Entladen und Warten der Fahrzeuge, zur Vorbereitung von Einsätzen sowie zu Übungsmöglichkeiten geschaffen. Auch wurde und wird stets auf ein gepflegtes und ordentliches Aussehen der Anlage geachtet.

 

 

Gesucht!

Spaß an Technik und Freude am Helfen?

Dann sind Sie bei uns genau richtig. Das THW ist immer interessiert an Helferinnen und Helfern. Informieren Sie sich hier über die Möglichkeiten des freiwilligen Engagements.


mehr